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Informationen für Eltern

Informationen für psychisch kranke Eltern und ihre Partner zum Umgang mit ihren Kindern

Neben vielen, sehr individuellen und auf die jeweilige konkrete Familiensituation abgestimmten Unterstützungsangeboten brauchen alle Kinder vor allem eines: altersgerechte Information über die Erkrankung der Eltern und die Möglichkeit, frei über ihre Fragen, Sorgen und Nöte sprechen zu können. Tabuisierung und Stigmatisierung psychischen Leidens machen aber genau dies – in den Familien, der Gesellschaft und auch in den Hilfesystemen – sehr, sehr schwierig.

Um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und die so nötigen Informationen altersgerecht zu vermitteln, gibt der BApK e.V. im Rahmen des Kooperationsprojektes mit dem BKK Bundesverband nachfolgende Broschüren heraus:

Nicht von schlechten Eltern (Informationen für Eltern)

 

Zu bestellen sind die Broschüren bei:
www.bapk.de oder bapk@psychiatrie.de

oder hier als PDF downloaden

 

Was geschieht mit den Kindern?

Es kann sein, dass in einer Familie ein Elternteil unter psychischen Problemen leidet. Vielleicht ist er überlastet oder fühlt sich  niedergeschlagen, oder er ist ab und zu verwirrt. In solchen Situationen brauchen die Eltern Hilfe. Aber auch die Kinder benötigen Aufmerksamkeit
Sie brauchen sogar mehr Aufmerksamkeit als sonst. Kinder erziehen ist nicht einfach. Alle Eltern fragen sich manchmal, ob sie es richtig machen. Wenn ein Elternteil psychische Probleme hat, wird das Ganze dadurch sicher nicht einfacher. Neue Fragen kommen dazu.
Wenn Sie sich wegen Ihrer Kinder Sorgen machen, dann sprechen Sie darüber: mit der Familie, mit Freunden, Nachbarn und Fachleuten. Über die Kinder zu sprechen, ist für alle Eltern wichtig!

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Kinder reagieren unterschiedlich

Wenn Eltern Probleme haben, merken es die Kinder. Eltern sind im Leben der Kinder die wichtigsten Menschen. Die Kinder beobachten sie genau. Den meisten Kindern entgeht nichts – so klein sie auch sind. Wenn Kinder bemerken, dass mit ihren Eltern etwas nicht stimmt, können sie ganz unterschiedlich darauf reagieren. Kinder sind nun mal verschieden...

Sie stellen Fragen. Kinder möchten gern wissen, was los ist. Sie fragen vielleicht von sich aus ihren Vater oder ihre Mutter. Vielleicht wenden sie sich mit ihren Fragen aber auch an jemand anderes. Wenn Kinder eine Vertrauensperson haben, mit der sie alles besprechen können, ist das natürlich gut. Noch besser ist es, wenn sie von Ihnen selbst erfahren, was eigentlich los ist. Es kann auch für Sie von Vorteil sein, es den Kindern selbst zu erzählen. Sie kennen Ihre Kinder am besten. Sie wissen am ehesten, wie Ihre Kinder auf die Information reagieren.

Für Kinder ab acht Jahren gibt es eine Broschüre mit dem Titel „ Jetzt bin ICH dran…“ in der Kindern erklärt wird, was es bedeutet, wenn ein Elternteil psychische Probleme hat. Bestellen Sie diese Broschüre. Sie kann das Gespräch zwischen Ihnen und Ihren Kindern in Gang bringen oder erleichtern.

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Die Kinder grübeln

Viele Kinder können mit niemandem über ihre Situation zu Hause sprechen. Sie sind mit ihren Gedanken allein und machen sich Sorgen um ihre Eltern. Manche machen sich Vorwürfe oder fühlen sich schuldig. Das Grübeln kann dazu führen, dass ein Kind sich in der Schule schlechter konzentrieren kann. Oder dass es sich verschließt und von seinen Freunden  zurückzieht. Offene, ehrliche Information kann verhindern, dass Kinder sich zu sehr sorgen oder sich Vorwürfe machen. Erzählen Sie auf Ihre Art, mit Ihren eigenen Worten. Gelingt das nicht oder bleibt Ihr Kind weiter belastet, dann holen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel bei Fachleuten einer Beratungsstelle oder bei Ihrer Hausärztin.

„Es ist sicher ganz schwierig für dich, wenn du immer still sein musst, weil deine Mutter Ruhe braucht… Kannst du mit deinem Vater darüber reden?“

Für Kinder ist es wichtig, neben ihren Eltern noch andere Menschen zu haben, bei denen sie sich wohl fühlen. Eine Vertrauensperson, die das Kind selbst gewählt hat, kann eine wichtige Hilfe sein.

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Die Kinder verlangen mehr Aufmerksamkeit

Manche Kinder verlangen in einer solchen Situation von den Eltern vermehrte Aufmerksamkeit, indem sie sehr unruhig sind, nicht gehorchen oder sich sonst irgendwie schwierig verhalten. Sie machen vielleicht absichtlich Dinge kaputt oder suchen häufig Streit. Sie können aber  auch auf einmal sehr anhänglich werden. Auf diese Weise können Kinder deutlich machen, dass sie durch etwas belastet sind. Sie tun das meistens nicht dann, wenn die Probleme in der Familie auf dem Höhepunkt sind, sondern warten, bis es zu Hause wieder einigermaßen so läuft, wie sie es gewohnt sind. Dann fühlen Sie sich wieder sicher und können sich Luft machen: „Ich bin auch noch da!“
Wenn Sie feststellen, dass Ihr Kind „schwierig“ wird, kann das für Sie zusätzliche Probleme bringen. Und vielleicht können Sie dieses Mehr an Schwierigkeiten nicht auch noch ertragen. Versuchen Sie, die Betreuung der Kinder mit anderen zu teilen. Und denken Sie daran – auch wenn es nur ein schwacher Trost ist –, dass das schwierige Verhalten Ihres Kindes wahrscheinlich vorübergehend ist und dass die meisten Kinder manchmal „anstrengend“ sind.
Kinder brauchen nicht nur Informationen. Sie wollen auch über eigene Erfahrungen und Gefühle sprechen. Fragen Sie Ihr Kind ruhig, was es von der Situation hält. Und nehmen Sie seine Antwort ernst … auch wenn Sie nicht derselben Meinung sind!

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Wenn die Kinder viel im Haushalt helfen

Es gibt Kinder, die sehr hilfsbereit werden, wenn es einem Elternteil schlecht geht. Sie möchten alles tun, um Vater oder Mutter zu helfen. Sie hören verständnisvoll zu, helfen im Haus oder kaufen ein. Und man hört sie nie jammern oder klagen!
Es kann entlastend sein, wenn Kinder mithelfen. Aber Kinder bleiben Kinder! Geben Sie Ihnen nicht zu viele Aufgaben, sondern sorgen sie dafür, dass ihnen genug Zeit bleibt für Sport, Spiel und ihre Hobbys.

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Die Kinder sind unauffällig

Vielleicht sind die Kinder auch ganz unauffällig. Das ist gut möglich. Die meisten Kinder wachsen – trotz der Schwierigkeiten ihrer Eltern – recht problemlos auf. Sie sind durch die familiäre Situation zwar belastet, können sie aber bewältigen.
Auch wenn Ihr Kind keine Fragen stellt oder keine Probleme zu haben scheint, ist es wichtig, dass Sie ab und zu gemeinsam etwas unternehmen oder miteinander sprechen. Denn das tun Sie ja nicht nur, wenn mit Ihrem Kind etwas nicht in Ordnung ist!

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Was brauchen Kinder?

Ein Pflaster auf das aufgeschürfte Knie, eine Geschichte vor dem Einschlafen, eine Umarmung, ehrliches Interesse am Ergebnis einer Schulprüfung… Kinder brauchen so viel! Aber zum Glück müssen nicht Sie allein alles geben. Familienmitglieder, eine Nachbarin oder andere Bekannte können einspringen. Betrachten Sie einmal die folgende Liste von Dingen, die Kinder brauchen: Was davon geben Sie selbst, und was bekommt Ihr Kind von anderen?

Deutliche Regeln und Grenzen. Dann wissen die Kinder, was erlaubt ist und was nicht. Das gibt ein sicheres Gefühl.

Aufmerksamkeit und Lob. Dann wissen die Kinder, was sie gut machen. Alle Kinder, auch kleine Nervensägen und pubertäre Querschläger, machen viele Dinge gut.

Wärme und Liebe. Ein Lächeln, ein Augenzwinkern, eine Umarmung: Kinder brauchen das noch mehr als Erwachsene.
Die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken. Wir alle haben Gefühle – angenehme und weniger angenehme. Wenn Kinder ihre Gefühle immer schlucken müssen, bekommen sie eines Tages Bauchschmerzen  davon.

Die Erfahrung, ernst genommen zu werden. Wir möchten alle, dass auf uns Rücksicht genommen wird. Kinder wollen das auch. Das bedeutet, dass wir ihnen manchmal genau zuhören müssen, um zu merken, was sie jetzt brauchen.

Geduld. Kinder müssen viel lernen. Das geht nicht alles auf einmal. Und es ist wunderbar für sie, wenn jemand das versteht und akzeptiert.

Die Möglichkeit, zu zeigen, was sie alles können. Alle Kinder müssen irgendwann selbstständig werden. Das gelingt natürlich nur, wenn sie ab und zu zeigen dürfen, was sie schon alles können.

Ein Vorbild, dem sie nacheifern können. Jedes Kind sucht sich jemanden, dem es später ähnlich sein will.
Eltern, ältere Geschwister oder Freunde, Fußballtrainer, Lehrerinnen– sie alle können ein solches Vorbild sein.

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Hilfen für Eltern

Alle Eltern fühlen sich ab und zu mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Es ist nicht ungewöhnlich, in solchen Situationen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vor allem, wenn sich ein Elternteil in einer psychischen Krise befindet, können konkrete Unterstützung, Betreuung oder Beratung sehr wichtig sein.

Die Hilfe kann ganz unterschiedliche Formen haben:

  • Entlastung im Haushalt und in der Betreuung der Kinder
  • Beratung für den Umgang mit den Kindern
  • Unterstützungsangebote für die Kinder

Eltern können an verschiedenen Stellen, oft sogar in ihrer nahen Umgebung, solche Hilfe finden. Dabei bestehen natürlich große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern und zwischen Stadt und Land. Aber eine der folgenden Möglichkeiten findet sich bestimmt in Ihrer Nähe:

  • Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Stadt, des Landkreises oder der Kirchen: in der Regel vereinbaren die Beratungsstellen Termine, wenn man dort anruft.
  • Jugendamt: Die Mitarbeiter des Jugendamtes beraten die Eltern darüber, welche Möglichkeiten zur Unterstützung vorhanden sind und genutzt werden können. Beim Jugendamt kann ein Antrag auf Erziehungshilfe gestellt werden.
  • Die „Nummer gegen Kummer“ bietet auch Beratung über ein Elterntelefon, das unter der Nummer 0800 111 0 550 kostenfrei angewählt werden kann.

Logo Nummer gegen Kummer Elternetelefon

Die Familien-Selbsthilfe Psychiatrie (BApK e.V) bietet ebenfalls Beratung über eine Hotline an. Die Beratungszeiten sind Montag, Dienstag und Donnerstag von 15 Uhr bis 19 Uhr unter der Nummer 01805/ 950 951 (14 ct/min).Wenn sich Eltern online beraten lassen möchten, so ist bei Fragen und Problemen zur Erziehung die Website www.bke-elternberatung.de die richtige Adresse im Netz.

Logo bke Elternberatung

Sie können auch Ihre Hausärztin, Ihren Kinderarzt, den behandelnden Psychiater oder die behandelnde Psychologin fragen, an wen Sie sich wenden sollen. Alle diese Stellen können entweder selbst Hilfe leisten oder Ihnen Hinweise geben, wo Sie die Unterstützung bekommen, die Sie benötigen.

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Zehn praktische Tipps

1. Erklären Sie, was los ist. Ihr Kind merkt, dass etwas nicht stimmt. Deshalb erklären Sie ihm lieber, was genau los ist. Sie können selbst damit beginnen oder warten, bis Ihr Kind fragt. Manche Kinder möchten sich nicht zu einem „richtigen Gespräch“ hinsetzen. Sie reden lieber beim Abwaschen oder beim Zubettgehen. Dann fühlen sie sich wohler.
    
2. Seien Sie ehrlich. Erklären Sie mit eigenen Worten, was Sie beschäftigt. Und fragen Sie zur Sicherheit nach, ob Ihr Kind Sie verstanden hat. Vielleicht stellt Ihr Kind Fragen, auf die Sie keine Antwort haben. „Ich weiß nicht“, kann dann die ehrlichste Antwort sein.

3. Hören Sie Ihrem Kind zu. Wenn Sie Ihrem Kind erklären, was los ist, fragen Sie es doch auch ab und zu nach seinen Eindrücken und seiner Meinung. Und hören Sie genau hin. Kinder fühlen sich wohler, wenn man ihnen gut zuhört und versteht, was sie sagen wollen. Mit Kindern sprechen heißt vor allem: ihnen zuhören.

4. Beobachten Sie Ihr Kind. Kinder zeigen oft durch ihr Verhalten, wie es ihnen geht. Wenn sie sich auffällig benehmen, kann das ein Zeichen dafür sein, dass sie durch etwas belastet sind: Wieder einnässen, die Schule schwänzen oder von zu Hause weglaufen – das sind deutliche Signale. Manchmal sind die Veränderungen aber nicht so offensichtlich. Das bedeutet, dass Sie genau auf Ihr Kind achten müssen, um auch unscheinbare Veränderungen in seinem Verhalten feststellen zu können.

5. Halten Sie an vertrauten Gewohnheiten fest. Für Kinder bedeutet Regelmäßigkeit Ruhe und Sicherheit. Wenn in der Familie Probleme auftreten, kann dem Kind ein Gefühl von Sicherheit vermittelt werden, wenn gewisse Dinge wie gewohnt weitergehen: wenn es zum Beispiel wie immer seine Hausaufgaben machen muss, weiterhin im Sportverein mitturnen oder anderen Hobbys nachgehen kann.

6. Beziehen Sie andere Erwachsene mit ein. Verlangen Sie nicht von sich, alles allein machen und bewältigen zu müssen. Beziehen Sie auch andere Menschen mit ein: etwa Familienmitglieder, Nachbarn, oder andere Eltern. Beachten Sie auch die Liste am Ende dieser Broschüre: dort werden Einrichtungen aufgeführt, an die Sie sich zur Unterstützung wenden können.

7. Informieren Sie die Schule. Wenn in einer Familie ein Elternteil in eine Klinik aufgenommen werden muss, sollte die Schule darüber informiert werden. Vor allem dann, wenn Ihr Kind so belastet ist, dass es in der Schule nicht mehr so gut aufpassen kann. Wenn der Lehrer weiß, was los ist, kann er Ihr Kind besser unterstützen. Sagen Sie dem Kind, dass Sie mit seinem Lehrer gesprochen haben.

8. Akzeptieren Sie, wenn Ihr Kind sich jemand anderem anvertraut. Viele Kinder haben das Bedürfnis, mit einem Außenstehenden zu sprechen. Mit einem Onkel oder einer Tante, mit der Nachbarin oder einem Lehrer. Sie möchten vielleicht die Eltern mit ihren Sorgen nicht noch zusätzlich belasten. Es geht ihnen also nicht darum, etwas auszuplaudern. Es besteht kein Anlass, gleich misstrauisch oder gar eifersüchtig zu werden, wenn Ihr Kind mit jemand anderem spricht.

9. Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn es nötig ist. Für manche Kinder wird die Belastung trotz allem zu groß. Sie sprechen mit niemandem, oder die Gespräche scheinen ihnen nicht zu helfen. Dann müssen Sie, als Eltern, sich Unterstützung holen. Auch dafür finden Sie hinten in der Broschüre nützliche Hinweise.

10. Vergessen Sie das Allerwichtigste nicht: ein Lächeln und eine Umarmung. Welche Probleme auch immer bestehen – für Ihr Kind ist das Wichtigste, dass Sie es lieben. Jeder Vater und jede Mutter drücken das auf eigene Art aus: mit freundlichen Worten, einem Lächeln oder einer Umarmung. Wenn Sie Ihre Liebe dem Kind nur zeigen, jeden Tag aufs Neue – das hilft über vieles hinweg!

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