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Informationen für Kinder

Jetzt bin ICH dran (für Kinder von 8 bis 12 Jahren)

Neben vielen, sehr individuellen und auf die jeweilige konkrete Familiensituation abgestimmten Unterstützungsangeboten brauchen alle Kinder vor allem eines: altersgerechte Information über die Erkrankung der Eltern und die Möglichkeit, frei über ihre Fragen, Sorgen und Nöte sprechen zu können. Tabuisierung und Stigmatisierung psychischen Leidens machen aber genau dies – in den Familien, der Gesellschaft und auch in den Hilfesystemen – sehr, sehr schwierig.

Um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und die so nötigen Informationen altersgerecht zu vermitteln, gibt der BApK e.V. im Rahmen des Kooperationsprojektes mit dem BKK Bundesverband nachfolgende Broschüren heraus:

Jetzt bin ICH dran (für Kinder von 8 bis 12 Jahren)

 

Zu bestellen sind die Broschüren bei:
www.bapk.de
oder bapk@psychiatrie.de

oder hier als PDF downloaden

 

Eins ist sicher!

Jeder Mensch kann krank werden. Du kannst zum Beispiel eine Grippe bekommen. Oder Bauchschmerzen. Oder eine Lungenentzündung. Du kannst dir auch den Arm brechen. Manchmal kann dir dann in einem Krankenhaus besser geholfen als zu Hause.
Jemand kann auch ganz stark durcheinander und verwirrt sein. Und nicht mehr genau wissen, was er oder sie tut. So jemand ist auch krank: Wir nennen das seelisch oder psychisch krank.

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Was für eine Sprache!

Wenn dein Vater oder deine Mutter zum Psychiater oder zur Psychologin gehen, hörst du vielleicht manchmal komische Wörter. Fremdwörter, die du nicht kennst oder nicht genau verstehst:

  • Psychiater
    Ein Psychiater ist ein Arzt, der viel weiß über Menschen, die psychisch krank sind. Er spricht mit ihnen und versucht, ihnen zu helfen. Andere Menschen, die darüber auch viel wissen, sind Psychologen, Sozialarbeiterinnen und Psychiatrieschwestern.
  • Psychotherapie
    Wenn jemand mit einer Psychiaterin oder einem Psychologen regelmäßig über seine Probleme und Sorgen redet, nennt man das eine Psychotherapie. Bei einer Familientherapie sind Eltern und Kinder im Gespräch dabei
  • depressiv
    Jemand, der depressiv ist, fühlt sich müde und schlapp, ist sehr traurig und sagt vielleicht sogar: „Ich wäre lieber tot.“ Er hat keine Lust zu essen und kann nicht einschlafen. Vielleicht geht es dir manchmal auch so, aber depressive Menschen erleben es oft und für lange Zeit.
  • manisch
    Jemand, der manisch ist, fühlt sich superglücklich und hat viel Energie. Er schläft vielleicht ganz wenig und hat ständig neue Ideen und Pläne.
  • Phobie
    Jemand hat eine Phobie, wenn er schrecklich Angst vor etwas hat, zum Beispiel vor Vögeln. Oder Angst, in die Stadt zu gehen. Manchmal ist diese Angst so stark, dass diese Menschen viele Dinge nicht mehr tun können oder vielleicht gar nicht mehr aus ihrer Wohnung gehen.
  • psychotisch oder schizophren
    Menschen, die sehr verwirrt sind, nicht mehr klar denken können und sich oft auch eigenartig benehmen, nennt man manchmal „psychotisch“, „schizophren“ oder „gestört“. Ein psychotischer oder schizophrener Mensch hält sich vielleicht für eine berühmte Persönlichkeit, zum Beispiel für einen König oder einen Präsidenten. Vielleicht glaubt er auch, von Polizisten oder Verbrechern beobachtet zu werden, obwohl das gar nicht stimmt. Vielleicht ist er aber auch müde, lustlos und geht anderen Menschen aus dem Weg, ähnlich wie ein depressiver Patient.

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Psychiatrische Klinik

Für Menschen, die psychisch krank sind, gibt es spezielle Krankenhäuser. Oder manchmal auch spezielle Abteilungen. Dort arbeiten Psychiater und Psychologinnen. Das sind Fachleute, die über psychische Krankheiten besonders viel wissen. Außerdem arbeiten dort auch Krankenschwestern und Pfleger und noch andere Leute, die versuchen, zu helfen. Sie sprechen mit den kranken Menschen und geben ihnen manchmal Medikamente. Die Medikamente sind oft nur einige Zeit nötig, wenn jemand zum Beispiel sehr unruhig ist oder nicht mehr schlafen kann. Manchmal muss dein Vater oder deine Mutter die Medikamente auch für längere Zeit nehmen, damit sie sich besser fühlen.
In der Klinik müssen einige Menschen viel schlafen und sich ausruhen. Anderen hilft es besonders viel zu unternehmen: in einer Gruppe mit anderen Kranken zu sprechen, zu malen, zu turnen, in einer Werkstatt oder im Garten zu arbeiten.
Wie in einem anderen Krankenhaus kannst du auch in einer psychiatrischen Klinik deinen Vater oder deine Mutter besuchen. In einem Gespräch mit einem Erwachsenen solltest du dich aber auf einen solchen Besuch vorbereiten. Wenn du zu Besuch kommst, siehst du, dass nicht alle Patienten im Bett liegen. Viele haben auch keinen Schlafanzug oder kein Nachthemd an, sondern ihre normalen Kleider. Manche Menschen benehmen sich anders, als du es gewohnt bist. Vielleicht sagen sie eigenartige Dinge. Aber das machen sie nicht, weil du da bist. Das machen sie auch, wenn du nicht da bist.

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Psychiatrische Praxis

Nicht alle Menschen, die verwirrt sind oder Probleme haben, müssen in eine psychiatrische Klinik aufgenommen werden. Oft ist es besser für sie, zu Hause zu bleiben. Dann können sie Hilfe in einer psychiatrischen oder psychologischen Praxis oder in einer Tagesklinik bekommen. In einer Tagesklinik sind die Menschen nur tagsüber dort. Zum Schlafen gehen sie nach Hause und kommen dann am nächsten Morgen wieder. In einer Praxis oder in einer Tagesklinik arbeiten auch Psychiater und andere Helferinnen. Meistens geht dein Vater oder deine Mutter regelmäßig dorthin, um Gespräche zu führen. Vielleicht nehmen auch beide gemeinsam an den Gesprächen teil oder sogar die ganze Familie, also auch du. Dann weißt du ja, wie es dort aussieht.
Auch dort bekommt deine Mutter oder dein Vater manchmal Tabletten, die sie oder er dann zu Hause einnehmen muss.

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Reden kann helfen

Du bist selber vielleicht auch manchmal wütend oder traurig. Wenn auf dem Schulhof etwas ganz Unangenehmes passiert, wenn dich z.B. ein anderes Kind ärgert.
Dann kommt vielleicht deine Lehrerin auf dich zu und fragt, was los ist. Wenn du es ihr dann erzählen kannst, geht es dir nachher besser. Reden hilft, wenn es dir mal nicht gut geht. Deinem Vater oder deiner Mutter geht das auch so. Sie sprechen vielleicht regelmäßig mit dem Psychiater. Dann geht es ihnen wieder besser. Manchmal genügt reden allein nicht, und sie müssen zusätzlich Tabletten nehmen. Damit sie zum Beispiel wieder gut schlafen können. Manche Menschen fühlen sich mit Tabletten wieder viel besser.
Anderen geht es eine Zeitlang besser, aber dann beginnt alles wieder von vorne. Wenn dein Vater oder deine Mutter solche Probleme haben, kann es für dich schwierig werden. Dann hilft es dir vielleicht, mit jemandem darüber zu sprechen.

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Mit wem könntest du sprechen?

Dein Vater oder deine Mutter haben vielleicht einen Psychiater oder sonst jemanden, mit dem sie sprechen können. Aber mit wem kannst du sprechen?Wenn du etwas nicht verstehst oder dich wegen all der Dinge, die zu Hause passieren, schlecht fühlst, kann Reden dir wirklich helfen. Es erleichtert einen. Probier es mal aus.Am besten ist es, mit jemandem zu reden, der dich wirklich versteht und den du gerne magst.Wenn du Fragen hast, kannst du sie natürlich auch dem Mann oder der Frau stellen, die deine Eltern betreuen.Wähle aus dieser Liste aus, mit wem du reden könntest:– mit deinem Vater oder deiner Mutter– mit deinem Bruder oder deiner Schwester– mit deinem Paten oder deiner Patin– mit deinem Opa oder deiner Oma – mit dem Lehrer oder der Lehrerin– mit deinem besten Freund oder deiner besten Freundin– mit einem Nachbarn oder einer Nachbarin– mit der Mutter deines Freundes oder deiner Freundin– mit einem Onkel oder einer Tante– mit …

Vielleicht kennst du einen anderen Menschen, mit dem du gut reden kannst. Wenn dir gar niemand in den Sinn kommt, gibt es eine Telefonnummer, wo immer jemand da ist für Kinder, die Sorgen haben. Die Nummer heißt „Nummer gegen Kummer“ und sie ist in ganz Deutschland gleich, egal von wo aus du anrufst. Der Anruf kostet nichts und wenn du nicht willst, musst du deinen Namen nicht nennen.

Logo Nummer gegen Kummer

Du kannst dir auch im Internet über www.bke-jugendberatung.de.
Hilfe holen, wenn du das willst. Ausgebildete Berater und Beraterinnen helfen dir dort, wenn du Probleme mit deinen Eltern, deinen Freunden, Lehrern oder mit dir selbst hast.

logo bke-jugendberatung

Unter der Rubrik „Projekte“ kannst du versuchen, ob es für dich ein Angebot in deiner Stadt oder in der näheren Umgebung gibt, wo man sich besonders beschäftigt mit den Problemen von Kindern, die psychisch kranke Eltern haben. Auch dort bekommst du Informationen und Hilfe.

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